07.11.2015 – Kritik zu der CD „Waltzes“

21. Oktober 2018

Zarte Emotionen im Dreiviertel-Takt

Mit dieser Walzer-Aufnahme bereiten der Komponist Kerim König und die Pianistin Mayuko Miyata ein kurzweiliges Hörerlebnis mit viel Gefühl in leisen Tönen.

Der Berliner Musiker Kerim König hat sich bisher besonders als Filmkomponist für die Fernsehserie ‚Soko Wismar‘ einen Namen gemacht, veröffentlichte nebenher allerdings auch schon einige Klassikalben. Seine Partnerin im neuesten Projekt ist die ebenfalls in Berlin lebende japanische Pianistin Mayuki Miyata, die sich in Ihrer Ausbildung intensiv mit den Werken Chopins auseinandergesetzt hat. Zum Glück für König, der mit ‚Waltzes‘ seiner Leidenschaft für den polnischen Komponisten nachgegangen ist. Veröffentlicht wird das Album von Hey!Classics.

Als Kerim König ein Konzert der Pianistin Mayuko Miyata in Berlin hörte, erinnerte ihn das an einen von ihm komponierten Walzer, der schon länger in einer Schublade vergessen auf ihn wartete. Dieser Moment bildete den Grundstein für die neun Walzer, die König für diese CD komponiert hat. Leider ist das auch beinahe die einzige Information, die dem äußert schlicht gehaltenen Booklet zu entnehmen ist. Schmerzlich vermisst werden zumindest kurzeGedanken und Hintergründe zu den einzelnen Werken, die, durchnummeriert von ‚Waltz No.1‘ bis ‚Waltz No. 9‘, auch in ihren Titeln nichts preisgeben. Einzig der ‚Waltz No. 4‘ trägt den Zusatz ‚Hommage à Chopin‘.

Nichtsdestotrotz ist es ja die Musik, die wirklich zählt, und hier wird dem Hörer je nach Erwartung einiges geboten, auch wenn die Gesamtlänge der CD gerade einmal 30 Minuten beträgt. (Der längste Walzer ist mit 4:17 Minuten übrigens Walzer Nr. 4.) In den neun Werken gibt es viele Momente, die verdächtig nach Filmmusik klingen und deutlich machen, in welchem Genre der Komponist beheimatet ist. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein, denn Königs großes Talent ist es, Stimmungen musikalisch einzufangen und klanglich zum Ausdruck zu bringen. Daneben wird in den Walzern mit ihrer sanglichen Melodik und expressiven Harmonik jedoch auch der Einfluss Chopins hörbar, gespickt mit einigen Jazz- oder wie in ‚Waltz No. 5‘ sogar Latino-Elementen.

Auch deshalb hat König mit der Chopin-Interpretin Miyata eine wunderbare Wahl getroffen. Sie dringt tief in das Wesen der Musik ein und gibt es mit intensivem, feinsinnigem Spiel wieder. Die Pianistin stellt ein sehr gutes Gefühl für melodische Linien und Phrasierungen unter Beweis, was bereits im Eingangswalzer deutlich wird. In ‚Waltz No. 3‘ gelingt es ihr, große innere Spannung aufzubauen; dagegen überzeugt sie im sechsten Walzer mit in sich stimmigen Tempowechseln. Miyata füllt den Klangraum dank ihrer soliden Fingertechnik und ihrem ausdrucksstarken Spiel völlig aus, so dass jegliche musikalische Begleitung unnötig wird. Ihre fein nuancierte Dynamik steht den meisten Walzern sehr gut zu Gesicht, doch manchmal wünscht man sich etwas größere dynamische Unterschiede zwischen den Werken.

‚Waltzes‘ mag nicht gerade innovativ sein, ist aber sehr gut gemacht. Die Werke sind tiefgründig, sensibel, emotional und insgesamt äußert eingängig – auch oder gerade weil sie keinerlei Konventionen zu durchbrechen versuchen. Durch Miyatas expressive Spielart erzählt jeder Walzer eine individuelle Geschichte mit viel Assoziationsräumen für den Hörer.

Interpretation: 100%
Klangqualität: 100%
Repertoirewert: 50%
Booklet: 25%